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Mittwoch, 29. März 2017

DIE NACHT


Die Nacht trägt deinen Namen


Die Nacht streift schwarzes Seidentuch
sanft über wache Augenlider,
verjagt der Unruh’ bösen Fluch
und will das Jetzt – und dies nicht bieder.

Sie spürt den Hunger dieser Stund’,
den Durst verschwieg’ner Spiegelwände,
sie legt ein Psst auf lauten Mund
und Fesseln um den Drang der Hände.

Die Nacht weht schwarzes Seidenhaar
entlang gespannter Spur zur Schwelle,
stellt ihre Macht – dort spielend – dar
und saugt die Lust aus jeder Zelle.


Sie dominiert, legt Tiefen frei
und sprengt ins Grenzenlos den Rahmen.
Ein explosiv finaler Schrei
gibt dieser Nacht heut’ deinen Namen.



© Faro V.

Sonntag, 26. März 2017

EIN LIEBESGEDICHT


Augenfeuer



Das Dunkel deines Blickes
entblößt die Tiefen meiner Seele.


Das Schließen deiner Lider
eröffnet Raum für meinen Traum.
 

Das Streicheln deiner Wimpern
malt Linienrot auf meine Adern.
 

Das Feuer deiner Augen
brennt Spuren tief in meine Haut.



© Faro V.

Dienstag, 7. März 2017

AUFWACHEN UND GENIEßEN


Die Pose






Ich falle müde auf mein Bett
nach eines langen Tages Pflichten.
Wenn ich dich jetzt nah bei mir hätt’,
würd’ sich der Arbeitsnebel lichten
und Sinnlichkeit zur Lust verdichten.

So schließe ich für den Moment
die Lider, um dich her zu träumen.
Ein Bild, das sich mein Eigen nennt,
will mein Betrachten nicht versäumen
und schenkt sich meines Geistes Räumen:

Es glänzt auf jenem Lippenpaar,
das deine Weiblichkeit besiegelt,
ein Silbertröpfchen – augennah,
in dem sich deine Schönheit spiegelt
und ein Vielleicht zum Ja entriegelt.

 

Ein Heiß entströmt dem Paradies,
das sich an meiner Zunge streichelt.
Du offenbarst dein rotes Vlies,
längs dem die Lust in Tiefen speichelt
und deinen Perlenglanz umschmeichelt.

Die Tröpfchen schwellen an zum Fluss
und treiben dich zum Zügellos –  


da weckst du mich mit zartem Kuss,
entschlüpfst mit Lächeln deiner Hose
und nimmst sie ein – des Traumbilds Pose...




 © Faro V.

Montag, 27. Februar 2017

SCHÜTTELREIME UM SICH VOR LACHEN ZU SCHÜTTELN


Schicksal eines (verhinderten) Swingers


Ein Paar betritt die kleine Bar,
ein Club voll nackter Beine – klar,
dass ER sucht hier die Lust mit Weibern
und hofft auf einen Wust an Leibern.

ER meint, er hätt’ ne  scheue Frau.
Doch SIE: „ Ich mich drauf freue – schau,
dass ich auf fremde Spieße fiele“ –
nun sind ’s für IHN gar fiese Spiele!

Derweil SIE jede Lanze pflegt,
sich traurig seine Pflanze legt.
Die anfangs für ihn runde Sache
entpuppt sich als gesunde Rache.
 
SIE ruft ihm zu im Lampenschein:
 „Lass’ dich nie mehr mit Schlampen ein.
Wenn du noch mal auf Swinger schaust,
dir auf die Nas’ mein Schwinger saust!“

copyright Faro V.

Samstag, 25. Februar 2017

EIN SONETT FÜR DICH



Tausenddocheine

Ich tauche in ein Meer von tausend Leibern,
auf Suche nach den dort verborg’nen Schätzen,
entdecke, fühl’ und freue mich an Plätzen
im Reich der Wogenmacht von tausend Weibern.


Ich will nach ihren Kostbarkeiten eifern,
mich Suhlen in der Fülle ihrer Brüste,
wenn leises Wimmern schwillt zum Laut der Lüste
und tausend Lenden nach Erlösung geifern.

Im Nachtsturm türmen sich der Wellen Kämme – 
sie brechen, überfluten letzte Dämme, 
versammeln sich im Sog zur wilden Gischt.

Die Schar wälzt sich im Mondlicht auf den Rücken – 
nach tausendfachem süßer Früchte Pflücken
erstrahlt mir einzigartig – DEIN Gesicht.


copyright Faro V.

Mittwoch, 22. Februar 2017

WEIBERFASTNACHT?!


Fast Nacht

Lisa und Anne sind eigentlich keine richtige Freundinnen. Dazu sind sie einfach in vielerlei Hinsicht zu unterschiedlich – so wie sich etwa das schwarze Haar Lisas kontrastreich von Annes Blond abhebt.  Aber sie können sich ganz gut leiden, was für Kolleginnen am Arbeitsplatz nicht unbedingt selbstverständlich ist.
Und heute – an Weiberfastnacht – gibt es für sie nur ein Thema im Büro.


 „Ich mach’ heute sicher spätestens um vier Uhr Schluss“, kündigt Lisa an. „Schließlich muss ich mich und mein Kostüm noch herrichten!“. Anne nickt zustimmend. „Eine Haremsdame muss ja auch verzaubern können.“ Sie lächelt Lisa an. „Als was verkleidet sich denn Timo heute Abend beim Maskenball im Felsenkeller?“ Ohne die Antwort abzuwarten, fügt sie interessiert hinzu: „Oder geht er etwa gar nicht mit ?“ „Doch schon – aber er kommt später nach, weil er im Büro noch eine Terminarbeit zu erledigen hat“, berichtet Lisa von ihrem Mann. „Von seinem Kostüm hat er aber nur verraten, dass er darin bei dieser Kälte sicher nicht frieren wird.“ „Was immer das sein mag“, Anne zieht die rechte Augenbraue hoch – eine Geste, die Lisa von ihr kennt, wenn Anne hinter dem Gesprochenen ihre wahre Gedanken zu verstecken scheint. „Die leicht bekleidete Haremsdame in den wärmenden Pranken eines ... kräftigen Bären ... vielleicht..“ „Vielleicht!“ wiederholt Lisa achselzuckend und fragt lächelnd: „ Und du – was hast du heute vor?“ Die Gefragte scheint zu überlegen. „Ich weiß es noch nicht,“ sie schaut auf die Uhr an der Wand. Ich mache mich auf jeden Fall jetzt auch auf die Socken, denn ich muss noch ein paar Sachen einkaufen.“ Sagt es, packt ihre Handtasche und Jacke und lächelt, als sie die Türklinke in der Hand hat, über die Schulter hinweg zu Lisa: „Vielleicht sehen wir uns ja noch später.“


Als Lisa die Dielentür zu ihrer Wohnung im dritten Stock eines Mietshauses öffnet, strahlt sie ein weißer Zettel an, der an dem mannshohen Spiegel klebt. Timo und sie hinterlassen sich so Nachrichten, wenn einer später das Haus verlässt und der andere früher nach Hause kommt. „Bis heute Abend, Schatz! Mach’ dich schön – ich freue mich auf dich! Kuss Timo.“ „Das sollst du haben!“ flötet Lisa vor sich hin, reißt den Zettel vom Spiegel, wirft Jacke und Tasche in die Ecke, schleudert mit einem Fußschwung – links und rechts – die Schuhe hinterher und verschwindet im Bad. Als sie zwei Stunden später vor dem gleichen Spiegel steht, lächelt sie daraus eine orientalische Schönheit an, die von Kopf bis Fuß in feinste Tücher sämtlicher Blautöne gehüllt ist, deren Transparenz in einzelnen Schichten die Haut darunter erahnen lässt. „ Ein Taxi nehmen oder selbst fahren?“ fragt die Schöne aus dem Spiegel. „Taxi!“ entscheidet Lisa kurzentschlossen und greift zum Telefon.


Im Felsenkeller ist ein paar Stunden später die Stimmung schon fast auf dem Höhepunkt angelangt, als Lisa besorgt und trotzig zugleich auf die Uhr an der rustikalen Gewölbewand schaut. „Wo Timo nur bleibt?“ will sie gerade fragen, als sie von hinten zwei warme Hände auf ihren Schultern spürt. Fast erschrocken dreht sie sich um und blickt auf das weiße Fell eines Eisbärkostüms. „Da bist du ja endlich!“ freut sich Lisa und erfasst ihr Gegenüber an den beiden Fellhandschuhen. Der Eisbär nickt stumm, schließt Lisa in die Arme und entführt sie zur Tanzfläche. Dort schmiegt sich die luftig bekleidete Haremsdame in engem Klammerblues an sein wärmendes Fell. „ Du – mir wird heiß,“ haucht Lisa ihrem Tanzpartner ins Eisbärohr. Doch wo soll sie ihn küssen? Die kleinen Schlitze zum Sehen und Atmen in der Gesichtsmaske verbergen mehr als es Lisa jetzt im Augenblick recht ist. Der Maskenball ist ihr sowieso unwichtig geworden. Als der Eisbär mit seinen Pranken ihren Körper noch näher und fester an sich zieht, gelingt es Lisa, ihre Lippen auf den erahnten Mund ihres Partners zu pressen und glaubt den Hauch einer Zungenspitze gespürt zu haben. Sie will nach Hause – und zwar sofort. Mit den Worten „Komm’ mit mein großer starker Bär und lass’ dir zu Hause das Fell kraulen, bevor ich es dir über den Kopf ziehe...“ greift sie die rechte Pranke ihres Gegenüber und führt ihn durch die tanzende Maskenmenge nach draußen.


Als das Taxi vor dem Mietshaus ihrer Wohnung hält, ist Lisa von den lippenintensiven und fingerneugierigen Streicheleinheiten auf dem Rücksitz noch so benommen, dass sie das Wechselgeld dem Fahrer als großzügiges Trinkgeld überlässt. Der zündet sich erst einmal gemütlich eine Zigarette an und schaut grinsend dem seltsamen Paar hinterher. Lisa kann gar nicht schnell genug das Treppenhaus hoch eilen. Ihr Mitfahrer trottet etwas schwerfälliger hinterher, was sie bei seinem Kostüm auch nicht weiter wundert.


Lisa schließt die Tür auf, knipst in der Diele das Licht an und geht geradewegs auf den Spiegel zu. Sie erblickt darin eine etwas zersauste Haremsdame, den hinter ihr im Türrahmen auftauchenden  Eisbären und... einen weißen Zettel: „ Hallo Schatz! Bin gerade erst aus dem Büro gekommen und es ist schon „fast Nacht“. Dein brauner Bär ist zu müde für die Jagd. Bitte wecke mich, wenn du kommst.
1000 Küsse Timo“. Lisa schluckt. Ihr wird schwindelig. Sie will sich umdrehen, als sie ein zotteliges dunkelbraunes Fellkostüm am Garderobenhaken rechts vom Spiegel hängen sieht. Sie schluckt noch einmal. Wie unendlich weit entfernt hört sie das Hallen von Schritten, die durch das Treppenhaus nach unten eilen. Ihre Beine zittern. Irgendwie erreicht sie das Wohnzimmerfenster, reißt die Gardinen zur Seite und starrt auf den Eisbären, der sich in das noch parkende Taxi wirft. Sie schaut dem davonfahrenden Fahrzeug gebannt hinterher und meint im Licht einer Straßenlaterne statt der weißen Kopfmaske einen blonden Haarschopf zu erkennen.

Lisa schluckt ein drittes Mal.

© Faro V.