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Freitag, 30. September 2016

HIMMELHOCHTIEF


Wie und tief


Wie Wolken wangenweich sich an den Halbmond schmusen,
wie sie den letzten Lichtrest aus der Sonne saugen,
so bette ich nun meinen Kopf auf deinen Busen
und falle – aufwärts suchend – tief in deine Augen.


© Faro V.

Donnerstag, 22. September 2016

OH - MANN!



Der Traum des Prometheus



Er litt an der Felswand
bei Tag und bei Nacht,
weil Zeus ihn dort festband.
Was hatt’ er gemacht?
Er hatte das Feuer
der Gottheit gestohlen,
bezahlte nun teuer –
wie Zeus hatt ’s befohlen.
Es riss ihm ein Aar
das Fleisch aus dem Leib.
Gequält – wie er war –
erschien ihm ein Weib:

Sie pflegt seine Wunde –
gehackt durch den Schnabel –
mit kusssanftem Munde
den blutigen Nabel.
Auf lippengeheimen,
verwegenen Wegen
lässt sie Triebe keimen –
zur Größe sich regen.
Er windet sich schmachtend
– mit Ketten fixiert –
verdammt zum Missachtend,
was sich jetzt gebührt.
Von Lippen getrieben
erlöst ihn sein Schrei:
„Wo ist sie geblieben?“

Sein Traum war vorbei.

 © Faro V.

Donnerstag, 1. September 2016

ATEMWEG & CO.



Wege



Das Herz – es pocht, es rast
bis dass es springt.

Die Stimme flüstert, stöhnt
bis dass sie schreit.

Der Atem seufzt und keucht
bis dass er ringt:

Gelebte Wege lieben ihre Zeit.


Faro V.

Sonntag, 21. August 2016

TOP ODER FLOP


Zerreißprobe


Er schwört auf seinen Rettungsschirm,
der ihn vor Stress und Not bewahre,
und wähnt sich höchst stabil und firm -
belastbar all’ die Arbeitsjahre.

Sein Blut verliert das frische Rot,
vertraute Kraft lässt ihn alleine.
Im Sinkflug noch höhnt er den Tod
und zieht am Schirm – es reißt die Leine.


© Faro V.

Montag, 15. August 2016

SINNE



Kondensiert




Der Duft nach deinem Bade
legt Spuren auf das Tuch der Nacht
und kondensiert zu Sternen
am Himmel meiner Sinne.


© Faro V. 
15.8.2016

Mittwoch, 3. August 2016

ZEITGESCHENK



Diametral




Zwei Menschen – entblößt auf das Leinen gemalt ­–
mit Blicken, die diametral  sich verschenken,
und Fasern – im Lichte des Halbmonds bestrahlt,
von Augen verschlungen ­– verneinend das Denken.

Zwei Beine ersuchen im Strecken Kontakt,
zwei Hände erfühlen entfaltete Bahnen.
Die Spitzen der Finger eröffnen den Akt –
das Schweigen des Vorhangs lässt ’s Schauspiel erahnen...


                                                                           © Faro V.

Samstag, 30. Juli 2016

STREIFLICHT

Am Geländer
 
 
Du lehnst am Geländer – den Blick Richtung Meer
und saugst diesen Abend ins Tief deiner Lungen.
Du schließt deine Augen und flüsterst: „Komm’ her!“.
Dein Wunsch klingt in mir wie vom Winde gesungen.
 
Sein Spiel mit den Haaren entblößt deinen Hals,
den längs zarter Spur meine Lippen beschwören.
Sie schmecken die Vielfalt von Süße bis Salz
und spür’n wie die Poren sich daran betören.
 
Du lehnst dich zurück, formst das Kann nun zum Muss:
Dein Leib reibt und wiegt sich an meinem Verlangen,
zwei hungrige Münder verschmelzen zum Kuss
und Hände befrei’n was im Stoff noch gefangen.
 
Da streift uns der Lichtstrahl des Leuchtturms vom Strand
und weist uns den Weg in das Dunkel des Raumes.
Er wirft dort als Schatten ein Bild an die Wand:
ein Paar am Geländer – Beginn eines Traumes.
 
 
© Faro V. aus "Streiflicht - Erotische Gedichte"